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Copyright Bartók-Archiv, Institut für Musikwissenschaft der
Ungarischen Akademie der Wissenschaften, 2004-2005
Gegensätzlichkeiten
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„Kodály und ich
wollten die Synthese zwischen Osten und Westen schaffen.
Wir durften diesen Versuch wagen auf Grund unserer
Abstammung, der geographisechen Lage unseres Landes, das
ein äußerster Ausläufer des Ostens und zugleich ein
Schutzwall des Westens ist; es wurde uns möglich dank
Eures Debussy, dessen Musik bis zu uns gelangt war und
uns erleuchtete – seltsam genug, wenn man bedenkt, wie
viele französische Musiker noch am Wagnerschen Zauber
befangen waren. [...] Debussy hat den Sinn für die
Akkorde bei allen Musikern wiederhergestellt; er war
ebenso bedeutend wie Beethoven, der uns die
Entwicklungsform offenbarte, und wie Bach, der uns in
den letzten hohen Sinn des Kontrapunktes einweihte.
[...] Ich stelle mir immer die Frage: kann man diese
drei Klassiker in einer Synthese vereinen und sie für
die Modernen lebendig machen?“
Bartóks Erklärung (1939), in: Serge
Moreux, Béla Bartók, Zürich/Freiburg i. Br.,
1952, S. 14
An einem Tage dieser Woche kam mir, wie von oben
eingegeben, so plötzlich die Idee von der absolut
unbedingten Notwendigkeit, daß Ihr Stück aus nur zwei
Sätzen bestehen könne. Zwei gegensätzliche Bilder: Das
ist alles.
Bartóks Brief an Stefi Geyer, vom 21.
Dezember 1907, in¨ Béla Bartók, Briefe an Stefi
Geyer, 1907–1908, Privatdruck
Paul Sacher Stiftung, Basel, 1979, S. 56
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Ich habe schon vor dem Krieg angefangen, das Ballett
zu komponieren, dann habe ich sie aber lange Zeit
beiseite gelegt. Ich habe viele Aufregungen
durchgemacht. In der Saison vom letzten Jahr hat István
Strasser mein symphonisches Werk Zwei Porträts
uraufgeführt, von denen ich das zweite (Zerrbild)
diesmal zum ersten Mal mit Orchester gehört habe. Dies
gab mir die Inspiration, an der Partitur des
Holzgeschnitzten Prinzen weiter zu arbeiten [...]
Bartók, Über den Holzgeschnitzten
Prinzen (1917), in: Bartók Béla Írásai [Die
Schriften von Béla Bartók],
Bd. 1, hrsg. von Tibor Tallián, Budapest, 1989, S. 62
Es mag vielleicht seltsam klingen, doch ich gestehe,
daß der Impuls zum Schreiben des Balletts der Abweisung
meiner einakteigen Oper „Herzog Blaubarts Burg“
entsprang. Die Oper war bekanntlich bei einem Wettbewerb
abgewiesen worden. Das größte Hindernis zu ihrer
Aufführung lag darin, daß es sich nur um den seelischen
Konflikt zweier Personen handelt und sich auch die Musik
darauf beschränkt, die Handlung in einer einfachen,
abstrakten Weise darzustellen. Auf der Bühne geschieht
nichts weiteres. Ich mag meine erste Oper so sehr, daß
mir sofort, als ich den Text des Tanzspieles von Béla
Balázs erhielt, ein Gedanke kam: Mit seinen
spektakulären, farbigen, reichen und variablen
Geschehnissen würde es dem Ballett ermöglichen, beide
Werke an einem Abend aufzuführen.
Bartók, Über den Holzgeschnitzten
Prinzen (1917), zitiert nach Tibor Tallián, Béla
Bartók. Sein Leben und Werk, Budapest, 1988, S. 115f
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Der konstruktive Kraft dieser Musik kommt noch mehr
zur Geltung, wenn wir nachher den Holzgeschnitzten
Prinzen hören. Das Ballett gleicht mit seinem
spielerischen, beweglichen Allegrokontrast das trostlose
Adagio der Oper aus. Dei beiden Werke fügen sich wie
zwei Sätze einer riesigen Symphonie ineinander.
Zoltán Kodály, Béla Bartóks Oper
(1918), in: Béla Bartók. Weg und Werk, hrsg. von
Bence Szabolcsi, Budapest, 1972, S. 82
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Die Kritiken vom Blaubart waren besser, als die
vom Holzgeschnitzten. [...] Doch nicht das war
für mich der größte Erfolg des Jahres, sondern
daß es mir gelungen ist, mit einem erstklassigen
Verlag eine Vereinbarung für längere Zeit zu
treffen.
Die „Universal Edition“ (Wien) hat mir noch im
Januar ein annehmbares Angebot gemacht. Nach
langwierigen Verhandlungen sind wir schließlich
zu vollem Einverständnis gekommen [...] Das ist
eine wichtige Sache, denn seit etwa 6 Jahren ist
dank der einheimischen Verleger überhaupt nichts
von mir erschienen, und vielleicht hat sich noch
niemals ein ausländischer Verlag mit einem
solchen Angebot an einen ungarischen Musiker
gewandt.
Bartóks Brief an Ioan Buşiţia,
[6. Juni 1918], in: Béla Bartók, Briefe,
hrsg. von János Demény, Budapest, 1973, Bd. I,
S. 181
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Was nun den Vortrag anbelangt, so würde ich Sie
bitten (1) den folkloristischen Zug in meiner Musik
nicht allzusehr hervorzuheben; (2) zu betonen, daß ich
in diesen Bühnenwerken, wie auch in meinen sonstigen
Originalwerken niemals Volksmelodien anwende; (3) daß
meine Musik durchaus tonal ist und (4) auch mit der
„objektiven“ und „unpersönlichen“ Art nichts gemeinsames
hat (also eigentlich überhauptnicht „modern“ ist!)[.]
Bartóks Brief an Ernst Latzko vom 16.
Dezember 1924, in: Béla Bartók, Briefe,
hrsg. von János Demény, Budapest, 1973, Bd. II, S. 50
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