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Copyright Bartók-Archiv, Institut für Musikwissenschaft der
Ungarischen Akademie der Wissenschaften, 2004-2005
Der „strenge Rahmen“
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.[...] Bald darauf bekam ich
Gelegenheit, die Noten der „Bagatellen“ op. 6 für
Klavier zu sehen, und zu meiner – nicht lange währenden
– Schande muß ich gestehen, daß die erstaunliche
Freiheit ihrer Sprache mich doch bestürzte. [...] vom 2.
Streichquartett bis zur „Musik für Saiteninstrumente und
Schlagzeug“ wuchs meine Bewunderung ständig. Die Noten
dieses 2. Streichquartetts spielten wir kurz nach seinem
Erscheinen vom Blatt, Yvonne Giraud, Delgrange, Darius
Milhaud und ich. Es ging nicht ohne Umwerfen ab, denn
das Werk ist recht schwierig, aber es interessierte uns
im höchsten Grade.
Arthur Honegger, Vorwort, in:
Serge Moreux, Béla Bartók, Zürich/Freiburg i.
Br., 1952, S. 9f.
Im Jahre 1909 ging ich in die Musikalienhandlung
Eschig [...] Da kaufte ich Bartóks erstes
Streichquartett an. Damals spielte ich mit Kommilitonen
aus dem Konservatorium regelmäßig Quartette bei mir, und
wir waren ganz begeistert von diesem lebendigen und so
persönlich lyrischen Werk.
Darius Milhaud, Hommage à Bartók,
in: Béla Bartók. L’Homme et l’Oeuvre, Sonderheft
von La Revue Musicale, Nr. 224 1955, S. 16
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III. Satz. Hier versuchte ich zweie der sogenannten
„bulgarischen“ Rhythmen anzuwenden, teilweise auch
imitatorisch-kontrapunktisch. „Bulgarischer“ Rhythmus
entsteht, wenn sehr rasche Zähl-Einheiten (M.M. 300–400
oder noch mehr) zu asymmetrischen Gruppen vereinigt
werden also wie zum B. hier 4+2+3 (und nicht 3+3+3!).
Ich weiss nicht, ob Ihnen derartiger Rhythmus schon
geläufig ist. Wenn nicht, dann wären Vorübungen ratsam,
was auch ohne Geige gemacht werden kann [...]
Bartóks Brief an Rudolf Kolisch vom 23.
Oktober 1934, Photokopie im Budapester Bartók-Archiv
3. Satz Mit diesem Satz als dem Schwierigsten haben
wir uns bisher am meisten beschäftigt und wir hoffen,
dass uns der Bulgarische R[h]ythmus schon ganz geläufig
geworden ist. Die Engführungen in der Reprise gehören
gewiss zu den schwersten Stellen in der Litteratur; umso
grösseres Vergnügen macht die Bewältigung.
Kolisch’ Antwortbrief vom 14. März 1935,
in: Documenta Bartókiana, hrsg. von Denijs Dille,
Heft 3, Budapest, 1969, S.173
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Dille: Denken Sie, verehrter Meister, dass es
einen Unterschied in der Technik oder Orientierung gibt
zwischen Ihren rein musikalischen Werken auf der einen
Seite – wie z.B. den berühmten Streichquartetten und den
Klavierkonzerten, sowie den drei, uns bekannten
Bühnenwerken –, und den freieren Werken auf der anderen
Seite, die auf authentische oder eigene ungarische
Melodien beruhen: der Tanzsuite und den Rhapsodien für
Violine und Orchester?
Bartók: Der Unterschied ist eher nur von äußerer Natur,
er betrifft vielleicht gewissermaßen die Zielsetzung und
die Materie. Sie haben sicherlich gemerkt, dass die
Technik dieselbe ist; die sog. rein musikalischen Formen
dienen als Grundlage für die freiere Musik, die aber
ihrerseits die melodischen und rhythmischen Modelle
verschafft hat. Es ist aber klar, dass man reine Musik
nicht mit Volksmelodien schreibt oder nur mit
Schwierigkeiten, da sie im Allgemeinen in ihrer
ursprünglichen Form für die nötige Bearbeitung
ungeeignet sind. Dennoch unterscheiden sich die Melodien
meiner Quartette, usw. von den Volksmelodien
ihrer Wesen nach nicht; nur noch der Rahmen ist
strenger, das ist alles. Sie wissen übrigens, dass ich
die technische Arbeit sehr gerne habe, dass ich einen
musikalischen Gedanken nie zweimal auf dieselbe Art und
Weise verwende, dass ich nie einen Teil gleich
wiederhole; dies erklärt meine Vorliebe für Veränderung
und thematische Umwandlung. Es ist keine bloße Spielerei
von mir, dass ich am Ende meines Zweiten
Klavierkonzertes das erste Thema in Krebsgang
erklingen lasse: die außerordentliche Mannigfaltigkeit,
die in unserer Volksmusik zu finden ist, gehört auch
meiner Natur.
Interview mit Bartók in Brüssel am 2.
Februar 1937, in: Denijs Dille, Béla Bartók. Regard
sur le passé (Louvain-la-Neuve, 1990), S. 28
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I. Satz, in A. Nach gewissen Prinzipien ziemlich
streng durchgeführte Fugenart. Und zwar: der 2. Einsatz
tritt um eine Quinte höher, der 4. im Verhältnis zum 2.
wieder um eine Quinte höher ein, der 6., 8. ebenso usw.;
der 3., 5., 7. usw. dagegen immer je um eine Quinte
tiefer. Nachdem in beiden Richtungen die entfernteste
Tonart – Es – erreicht ist (Höhepunkt des Satzes),
bringen die weiteren Einsätze das Thema in der
Umkehrung, bis wiederum die Grundtonart – A – erreicht
wird, wonach eine kurze Coda folgt. N. B. 1.) manche
Nachbareinsätze erscheinen in Engführung; 2.) andere
Einsätze bringen das Thema nicht in vollständiger
Gestalt, sondern nur einen Bruchteil desselben.
II. Satz, in C. Sonatenform (Seitensatz in G). In der
Durchführung erscheint auch das Thema des 1. Satzes in
veränderter Gestalt, ferner eine Anspielung auf das
Hauptthema des IV. Satzes. Die Wiederkehr ändert den
2/4-Rhythmus der Exposition in einen 3/8-Rhythmus.
III. Satz, in Fis. „Brückenform“: A, B, C, B, A.
Zwischen den einzelnen Abschnitten erscheint je ein
Abschnitt des Themas des I. Satzes.
IV. Satz, in A. Formschema: A+B+A, C+D+E+D+F, G, A.
G-Teil (Takt 203–234) bringt das Hauptthema des I.
Satzes, aber in einer aus der ursprünglichen
chromatischen ins Diatonische ausgedehnten Form.
Bartók, Aufbau der „Musik für
Saiteninstrumente“ in der Philharmonia
Studienpartitur des Werkes, W. Ph. 201 – U. E. 10.888.
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Sogar in den abstraktesten Werken, wie zum Beispiel
meine Streichquartette, in denen keine derartigen
Nachahmungen erscheinen, manifestiert sich ein gewisser,
unbeschreiblicher und kaum fassbarer Geist, eine Art
je ne sais pas quoi, der in jedem Zuhörer, dem der
bäuerliche Hintergrund überhaupt vertraut ist, das
Gefühl erweckt: „Dieses Stück konnte aber nur von einem
Ost-Europäischen Musiker geschrieben werden.“
Bartók, Hungarian Music (1944),
in: Béla Bartók Essays, hrsg. von Benjamin
Suchoff, London, 1976, S. 396
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